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David Bowie hat viele Rollen gespielt und
anscheinend kommt er auch mit der des alternden
Rockstars bestens zurecht. Nach einigen
erfolglosen Singles gelingt ihm 1969 mit der LP
"Space Oddity", seinem ersten Top-10-Erfolg in
den amerikanischen Charts, der Durchbruch.
Seitdem schafft es das "Chamäleon" des
Musikbusiness immer wieder, mit spektakulären
Auftritten Aufmerksamkeit zu erregen. Er ist das
außerirdische Zwitterwesen Ziggy Stardust, der
bleiche Thin White Duke oder ein Young American
im Sinatra-Look.
Seine frühen Jahre sind von Drogenexzessen
begleitet, was es dem Exzentriker immer schwerer
macht, zwischen Fiktion und Realität zu
unterscheiden. In den späten Siebzigern
verbringt Bowie einige Jahre in Berlin, die
Einsamkeit der Großstadt hilft ihm, die Geißel
Heroin los zu werden. In Berlin ensteht "Heroes",
Bowies vielleicht bestes Album, in dem er seine
Drogenerfahrungen besingt. Der Titelsong wird
auch auf deutsch und französisch aufgenommen und
ist Teil des Soundtracks zu "Christiane F. - Wir
Kinder Vom Bahnhof Zoo".
In
den Achtzigern verblasst sein Stern etwas,
Kritiker wollen erkannt haben, dass Bowie
ausgebrannt sei. Dennoch hat er zu dieser Zeit
mit Titeln wie "Let's Dance" und "China Girl"
seine größten kommerziellen Erfolge. Später aber
entfernt Bowie sich weit von der Popmusik, die
ihn groß gemacht hat. Nicht nur in seiner
Galerie, auch auf den neueren Alben dominiert
elitäres Kunstwollen und verkapselter
Ästhetizismus. Ein Missverständnis. Denn
Pop-Avantgarde und Amüsierbetrieb sind eng
verwandt, oder, um mit Jarvis Cocker zu
sprechen: "Es kommt darauf an, den Mainstream zu
verbessern."
Inzwischen begeistert sich David Bowie zunehmend
fürs Internet, das Medium, das sich wie kaum ein
anderes für das Spiel mit virtuellen Identitäten
eignet. Im Herbst '99 veröffentlicht er seine
neue Platte "hours" zuerst im Netz und auch als
Internet-Provider tritt Bowie auf. Ein Account
kostet 19.95 Dollar im Monat. Wer nur Bowies
Website erkunden möchte und dem Star und seiner
Band beim Üben zusehen will, ist mit 5.95
US-Dollar monatlich dabei.
Ende
2001 teilt der Popstar seiner Plattenfirma mit,
dass er kein Interesse mehr daran habe, seinen
Vertrag bei Virgin zu verlängern. Alle
zukünftigen Aufnahmen sollen statt dessen auf
Bowies neuem Label ISO erscheinen. Er habe sich
schon zu oft über die "Wichtigtuer" in den
großen Plattenfirmen geärgert: "Oft war ich mit
der grauenvoll langsamen Art, wie die Dinge
erledigt wurden, nicht einverstanden. Ich träume
schon lange von einer eigenen Firma", zitierte
BBC den Thin White Duke. Sein Label preist er
dagegen als "kleine, mobile Einheit" an. Bowie
erkannte früh die Möglichkeiten des Internets
und veröffentlicht dort seit Jahren exklusive
Songs.
Die
wenigen Auftritte im Jahr 2002, bei denen er
viele alte Hits zum Besten gibt, zeigen ihn in
eben so jugendlicher Frische wie sein Longplayer
"Heathen". Musikalische Gäste auf dem Album, das
an Bowies beste Zeiten erinnert, sind u.a.
Who-Gitarrist Pete Townshend und
Foo-Fighters-Frontmann Dave Grohl, produziert
hat Bowies 70er Jahre-Intimus Tony Visconti.
Mit
dem folgenden Album "Reality" geht Bowie dann
auf eine größere Tour, die er wegen einer
ernsthaften Herzerkrankung im Sommer 2004
abbrechen muss. Dieses Mal dokumentiert er einen
der Auftritte auf DVD. Auf der Bühne turnt er
dabei nicht weniger beeindruckend umher als Mick
Jagger, doch schafft es der DVD-Mitschnitt
nicht, konzertante Längen zu straffen. Und das
trotz effektgeiler Kameraführung, die zusammen
mit einem opulenten Farbspektrum streckenweise
ein Endzeit-Szenario visualisiert, das dem
cineastischen Bildschnitt-Overkill "Strange
Days" nicht unähnlich ist.
Obiger Text wurde entnommen aus:
laut.de
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